Von Kopf bis Fuß
Mittwoch, 26. März 2008
3. Kapitel
Mit einem Sprint versuchte Fafnir die Brücke zu erreichen. Er hoffte, dass er nicht zu spät war. Jemand hatte ihm berichtet, dass wieder ein Verrückter versuchte, sich aus einer Scheune zu stürzen. Und dummerweise war er auf Patroullie und es war sein Bezirk. Also rannte er so schnell es ihm seine Ausrüstung und seine Kondition erlaubte. Es konnte nicht mehr weit sein. Die letzte Hausecke tauchte vor ihm auf und er rannte dicht daran vorbei. Er hatte nun einen freien Blick auf die Scheune und konnte diese arme Seele sehen, die dort stand. Beim Licht, dachte er, schon wieder Rintin. Der gehört zur eigenen Sicherheit eingesperrt. Apruppt stoppte Fafnir, wobei seine Rüstung schepperte.
Der Elf drehte seinen Kopf langsam zu Fafnir, der eine Menge Lärm verursacht hatte. Fafnir trug über seiner Rüstung das blaue Wams der Stadtwache, das immer noch leicht im Wind wehte. Das Wappen mit dem weißen Einhorn auf blauem Grund war klar zu erkennen. Fafnirs Gesicht wurde nur teilweise durch den Helm verhüllt. Dieser schimmerte leicht golden und war mit allerlei Spielereien verziert worden. In der linken trug er einen Schild, wie man von einem Soldaten der Stadtwache erwarten konnte und in der rechten einen Speer, der an der Spitze glänzte und ebenfalls verziert war.
„Rintin Lotuseater, was ist diesmal geschehen, dass du dich umbringen willst?“
„Fafnir, werter Fafnir, wird es dir nicht klar? Schau dich doch um, wir schwelgen in Luxus!“ Dabei präsentierte er sich selbst. Sein langes violettes Gewand wehte im Wind leicht. Die goldenen Fäden, die das Gewand verzierten und zwei gekreuzte Federn zeigten leuchteten in der Sonne. Das goldene gut gepflegte Haar schwang elegant hin und her.
„Du Narr, sei doch froh dass es dir so gut geht. Du trägst gute Kleidung, hast ein gutes Heim und liebevolle Eltern, was willst du mehr?“
„Ich will fliegen, ich will frei sein. Diesen Luxus, pah!“ Rintin versuchte daraufhin, sich seines Gewandes schnellstmöglich zu entledigen. Er verhedderte sich aber in seinem Gewand und wanderte leicht hin und her. Hinter Fafnir hatte sich mittlerweile eine kleine Menge an Elfen gesammelt und einige schauten erschrocken zu dem offensichtlich Verwirrten hinauf. Er taumelte und Fafnir sah jetzt das Seil, das vorher durch die Kleidung verdeckt war.
„Stop, bleib stehn, Rintin. Beim Licht, bleib stehen!“ schrie Fafnir laut.
„Isch weiß wasch i tue.“, kam es genuschelt aus dem taumelnden Stoffhaufen.
„Daran Zweifel ich, du Narr. Beweg dich nicht mehr!“ schrie wieder Fafnir und rannte los, um zu dem Verwirrten zu kommen. Der Schild und der Speer landeten e scheppernd am Eingang der Scheune, daran würde sich niemand vergreifen, und Fafnir beschleunigte seine Bemühungen, in den oberen Teil der Scheune zu gelangen. Als er Rintin sah wurde ihm ganz mulmig zumute. Dieser Narr versuchte immer noch, sein Gewand über den Kopf abzustreifen, hatte sich dabei aber mehr und mehr in dem Seil und dem Gewand verheddert. Es war möglich, dass er fallen könnte und Fafnir war sich sicher, dass er dann nie wieder einen Selbstmordversuch dieses bedauernswerten Elfen vereiteln musste. Also stürzte er auf ihn zu und packte ihn, erstaunlicherweise konnte er ihn ohne große Probleme von der offenen Luke wegziehen. Mit einem Dolch aus seinem Gürtel durchschnitt er das Seil und half Rintin aus dem Durcheinander.
„Man, was hast du dir dabei nur wieder gedacht?“
Rintin saß da, wie ein begossener Hund. Ein Häufchen Elend hatte etwas attraktiveres, wenn man sich diesen armen Narren anschaute. In einem Buch hatte Fafnir mal gelesen, 'selig sind die geistig Armen' und der, der diesen Satz gesagt hatte, hatte vollkommen recht. Rintin war eine bedauernswerte Person.
„Ich bin es leid. Wirklich Fafnir, mein Freund. Es ist einfach unerträglich. Wir, die Reichen, haben immer mehr, aber die Armen werden mehr und mehr ausgebeutet. Und als ich heute durch die Armenviertel gekommen bin, da wollte ich ein Zeichen setzen. Ich wollte zeigen, dass es nicht jedem gleich ist, was mit den Armen ist.“
„Und du wolltest dich selbst hängen.“
„Naja... ich dachte, das ist sehr symbolträchtig.“
„Sicher. Naja, ich bringe dich zu deinen Eltern. Sollen die sich mit dir rumärgern.“
Er stand auf.
„Aber ich werde noch einmal vorbei kommen. Ich muss wegen dieser Sache einen Bericht schreiben, und du wirst den mir unterschreiben.“
Rintin nickte nur, stand auf und folgte seinem Retter nach unten. Dieser ergriff seinen Schild und seinen Speer.
„Zurück an Eure Arbeit! Es gibt nichts zu sehen. Na wird’s bald!“

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Letzte Aktualisierung: 2009.12.30, 02:09
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