Von Kopf bis Fuß
Montag, 7. April 2008
4. Kapitel
„Leise, verdammt. Wir müssen diese Ladung Blutdisteln abliefern, sonst werden wir die nächste Woche nicht überleben. Und ich habe kein Interesse dran, dass uns die Stadtwache aufgreift. Dann sind wir ebenfalls geliefert.“, zischte der kleine dunkelhaarige Elf. „Glaubst du etwa, da habe ich eine große Lust zu? Ich häng an meinem Leben.“ antwortete ein etwas größerer. Sie schlichen schon eine ganze Weile von einer Gasse zur nächsten. Waren zwei Patroullien ausgewichen und hatten den Treffpunkt fast erreicht. Im Schatten schlichen sie langsam weiter.
„Ihr seid zu spät!“
Ein kalter Schauer durchzuckte Semjon, den kleineren der beiden Gauner.
„Wir mussten ein paar Hindernisse umgehen.“ kam die zittrige Antwort.
„Hindernisse, natürlich. Habt Ihr die Pflanzen?“
Karles reichte dem Drogenhändler, dessen Namen sie nicht wussten, mit zittriger Hand zwei kleine Säcke. Dieser ergriff sie, und begutachtete den Inhalt. Er nickte und lächelte dann. „Der Meister wird zufrieden mit Euch sein. Hier ist Euer Lohn.“ Er reichte jedem eine Goldmünze. Semjon deutete eine Verbeugung an und schritt langsam rückwärts, während er seinen Dank vor sich hin stammelte. Weg hier, einfach nur weg, solange er noch lebte. Mit einem leichten Zupfen an Karles' Hemd zeigte er diesem, dass er ihm folgen sollte. Beide verschwanden so schnell es die Nacht erlaubte in den Straßen Silbermonds.

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Mittwoch, 26. März 2008
3. Kapitel
Mit einem Sprint versuchte Fafnir die Brücke zu erreichen. Er hoffte, dass er nicht zu spät war. Jemand hatte ihm berichtet, dass wieder ein Verrückter versuchte, sich aus einer Scheune zu stürzen. Und dummerweise war er auf Patroullie und es war sein Bezirk. Also rannte er so schnell es ihm seine Ausrüstung und seine Kondition erlaubte. Es konnte nicht mehr weit sein. Die letzte Hausecke tauchte vor ihm auf und er rannte dicht daran vorbei. Er hatte nun einen freien Blick auf die Scheune und konnte diese arme Seele sehen, die dort stand. Beim Licht, dachte er, schon wieder Rintin. Der gehört zur eigenen Sicherheit eingesperrt. Apruppt stoppte Fafnir, wobei seine Rüstung schepperte.
Der Elf drehte seinen Kopf langsam zu Fafnir, der eine Menge Lärm verursacht hatte. Fafnir trug über seiner Rüstung das blaue Wams der Stadtwache, das immer noch leicht im Wind wehte. Das Wappen mit dem weißen Einhorn auf blauem Grund war klar zu erkennen. Fafnirs Gesicht wurde nur teilweise durch den Helm verhüllt. Dieser schimmerte leicht golden und war mit allerlei Spielereien verziert worden. In der linken trug er einen Schild, wie man von einem Soldaten der Stadtwache erwarten konnte und in der rechten einen Speer, der an der Spitze glänzte und ebenfalls verziert war.
„Rintin Lotuseater, was ist diesmal geschehen, dass du dich umbringen willst?“
„Fafnir, werter Fafnir, wird es dir nicht klar? Schau dich doch um, wir schwelgen in Luxus!“ Dabei präsentierte er sich selbst. Sein langes violettes Gewand wehte im Wind leicht. Die goldenen Fäden, die das Gewand verzierten und zwei gekreuzte Federn zeigten leuchteten in der Sonne. Das goldene gut gepflegte Haar schwang elegant hin und her.
„Du Narr, sei doch froh dass es dir so gut geht. Du trägst gute Kleidung, hast ein gutes Heim und liebevolle Eltern, was willst du mehr?“
„Ich will fliegen, ich will frei sein. Diesen Luxus, pah!“ Rintin versuchte daraufhin, sich seines Gewandes schnellstmöglich zu entledigen. Er verhedderte sich aber in seinem Gewand und wanderte leicht hin und her. Hinter Fafnir hatte sich mittlerweile eine kleine Menge an Elfen gesammelt und einige schauten erschrocken zu dem offensichtlich Verwirrten hinauf. Er taumelte und Fafnir sah jetzt das Seil, das vorher durch die Kleidung verdeckt war.
„Stop, bleib stehn, Rintin. Beim Licht, bleib stehen!“ schrie Fafnir laut.
„Isch weiß wasch i tue.“, kam es genuschelt aus dem taumelnden Stoffhaufen.
„Daran Zweifel ich, du Narr. Beweg dich nicht mehr!“ schrie wieder Fafnir und rannte los, um zu dem Verwirrten zu kommen. Der Schild und der Speer landeten e scheppernd am Eingang der Scheune, daran würde sich niemand vergreifen, und Fafnir beschleunigte seine Bemühungen, in den oberen Teil der Scheune zu gelangen. Als er Rintin sah wurde ihm ganz mulmig zumute. Dieser Narr versuchte immer noch, sein Gewand über den Kopf abzustreifen, hatte sich dabei aber mehr und mehr in dem Seil und dem Gewand verheddert. Es war möglich, dass er fallen könnte und Fafnir war sich sicher, dass er dann nie wieder einen Selbstmordversuch dieses bedauernswerten Elfen vereiteln musste. Also stürzte er auf ihn zu und packte ihn, erstaunlicherweise konnte er ihn ohne große Probleme von der offenen Luke wegziehen. Mit einem Dolch aus seinem Gürtel durchschnitt er das Seil und half Rintin aus dem Durcheinander.
„Man, was hast du dir dabei nur wieder gedacht?“
Rintin saß da, wie ein begossener Hund. Ein Häufchen Elend hatte etwas attraktiveres, wenn man sich diesen armen Narren anschaute. In einem Buch hatte Fafnir mal gelesen, 'selig sind die geistig Armen' und der, der diesen Satz gesagt hatte, hatte vollkommen recht. Rintin war eine bedauernswerte Person.
„Ich bin es leid. Wirklich Fafnir, mein Freund. Es ist einfach unerträglich. Wir, die Reichen, haben immer mehr, aber die Armen werden mehr und mehr ausgebeutet. Und als ich heute durch die Armenviertel gekommen bin, da wollte ich ein Zeichen setzen. Ich wollte zeigen, dass es nicht jedem gleich ist, was mit den Armen ist.“
„Und du wolltest dich selbst hängen.“
„Naja... ich dachte, das ist sehr symbolträchtig.“
„Sicher. Naja, ich bringe dich zu deinen Eltern. Sollen die sich mit dir rumärgern.“
Er stand auf.
„Aber ich werde noch einmal vorbei kommen. Ich muss wegen dieser Sache einen Bericht schreiben, und du wirst den mir unterschreiben.“
Rintin nickte nur, stand auf und folgte seinem Retter nach unten. Dieser ergriff seinen Schild und seinen Speer.
„Zurück an Eure Arbeit! Es gibt nichts zu sehen. Na wird’s bald!“

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Dienstag, 25. März 2008
2. Kapitel
Ernst blickte Beren seinen Arbeitgeber an, welcher sich vor lachen beinahe nicht mehr einbekam. Aêron war ein seltsamer Elf. Gerade sein Aussehen war ungewöhnlich. Sein Haar war weiß, das Gesicht ansich freundlich, wenn ein Betrachter sich nicht an seinem rechten Auge stören würde. Dieses fehlte, darum trug der Elf eine Augenklappe. Seine Kleidung war bereits abgetragen und Beren fragte sich, ob dieses Geschäft auch schon so gut lief, bevor er bei Aêron begonnen hatte zu arbeiten. Wahrscheinlich nicht, wenn er sich so umsah. Sie waren in der Wohnung des Älteren und tranken einen guten thalassischen Wein, da sie den Wochenabschluß erstaunlich gut hinbekommen hatte. Dies war auch dem Handel mit den Zwergen aus Thelsamar zu verdanken, was Beren gemeistert hatte.
Nun saßen sie in einem kleinen Raum hinter dem Laden an einem Tisch. Dieser war genau in der Mitte aufgestellt und hatte die Form einer Niere. Rechts von Beren war ein Fenster, dunkel verhangen drang das Licht der magischen Lampen von der Straße kaum herein. An der Wand gegenüber von ihm sah Beren einige Regale mit verschiedenem Krimskrams und Büchern. Einige Souveniers, so vermutete er, die sein Gegenüber wohl von weiten Reisen mitgebracht hatte. Fasziniert betrachtete der junge Elf eine Krähe, die ausgestopft auf einer Seite des Regals stand, flankiert von mehreren schwarzen Büchern. Der Kerzenschein reichte nicht ganz bis zu den Buchrücken, so dass er nicht erkennen konnte, welche Titel die Bücher hatten. Aêron bemerkte den interessierten Blick Berens und folgte ihm.
„Ah, ja... eine schöne Sammlung habe ich da, nicht? Das meiste habe ich aus dem Süden mitgebracht. Kennt Ihr das Schlingendorntal? Ein unfreundliches Land. Aber genug, wo waren wir?“
„Die Planung für die kommende Woche. Die Vorräte an Seide gehen langsam zuneige.“, entgegnete ihm Beren, der sich wieder seinem Gegenüber zuwendete.
„Ich erwarte in den nächsten Tagen eine Lieferung aus Lordaeron. Mittwoch oder Donnerstag, denke ich. Da sollte genug dabei sein. Aber das wirst du allein entgegen nehmen müssen. Ist doch kein Problem, oder?“ Aêron lächelte, was aber eher wie eine groteske Maske wirkte.
„Warum sollte es ein Problem sein? Was habt Ihr denn vor?“ fragte Beren, eher aus Höflichkeit, denn aus Interesse. Er konnte sich schon denken, was sein Gegenüber plante. Ausschweifende Gelage und billige Huren. Aber das war ja seine eigene Sache.
Aêron schmunzelte süffisant. „Ich werde sehen, ob ich neue Quellen erschließen kann. Quel'talas ist von Arroganten und Hochnäßigen bewohnt, aber ein paar haben wirklich Geld. Und dort gibt es günstig Magiestoff, der es tatsächlich wert ist, dass ich mich mal dort umsehe.“
Beren grinste etwas, denn genau eine solche Antwort hatte er erwartet. Für ihn stand fest, dass er möglichst schnell sein eigenes Geschäft aufbauen würde. Er lehnte sich zurück und ließ seinen Blick wieder durch den Raum schweifen, wobei er plötzlich stockte. Die Krähe schaute ihn nun an. Ganz sicher, hatte sie den Kopf gewendet. Oder war es Einbildung? Hatte sie schon die ganze Zeit den Kopf in seine Richtung gedreht? Der Wein war Schuld, ganz sicher. Soetwas gab es nicht, dass ein totes Tier einfach den Kopf drehte. Er schaute sich den restlichen Raum an und entdeckte jede Menge Gerümpel, einen Holzwürfel, Bücher, alte und neuere Regale, Kleider und alte Waffen, aber nichts, was sein Interesse weckte. Die beiden unterhielten sich den restlichen Abend, während Aêron tief in die Karaffe schaute, über Belanglosigkeiten. Vorallem an Menschen und Zwergen ließ er kein gutes Haar. Beren hörte zu und zog daraus seine eigenen Schlüsse.
Einige Zeit später verlies Beren seinen Boss und legte sich schlafen.

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Dienstag, 18. März 2008
1. Kapitel
Ein kalter Lufthauch zog durch die Stadt und zauberte Beren ein Lächeln ins Gesicht. Vor einer Woche hatte er sein Elternhaus verlassen und hauste nun in einem Zimmer bei einem Elfen namens Aêron. Der Elf im mittleren Alter hatte sich auf den Handel mit Stoffen spezialisiert. Bei ihm hatte Beren eine Anstellung gefunden, um sich etwas Silber zu verdienen. Beren träumte von seinem eigenen Geschäft. Er wollte Früchte und Kräuter verkaufen, ihm fehlte aber noch das Startkapital.
Nun saß er auf dem Dach des Hauses, in dem er wohnte, und freute sich an der Aussicht und der Ruhe. Die magisch betriebenen Lampen spendeten ein schönes Licht und gaben der Stadt diesen Glanz. Menschen waren dazu nicht in der Lage. Selbst die Kirin Tor in Dalaran konnten ihrer Stadt nicht diese Pracht verleihen, wie es die Hochelfen taten. Beren sah in eine gute Zukunft. Er begann zu träumen und genoss es. In teuren Gewändern würde er durch die Straßen gehen. Ein hoch angesehener Elf, von jedem bewundert, vielleicht sogar verehrt. Die Zeit verflog und er zog sich zurück.

Am nächsten Tag war er früh auf den Beinen. Er brauchte nicht viel Schlaf, also machte er sich an das Tagewerk. Eine Lieferung aus Thelsamar war eingetroffen und die Zwerge wollten rasch weiter.
Beren kontrollierte die Lieferung, wie er es immer tat. Diese Arbeit machte er schon lange und Aêron traute ihm. Leise vor sich hinpfeifend prüfte er die Wolle. Er nickte zufrieden.
„Was gebt Ihr Euren Schafen? Die Wolle ist so schön fest, kratzt aber nicht,“ fragte er auf thalassisch. Einer der Zwerge, vom Aussehen her wohl der Älteste, aber wer konnte das schon beurteilen, antwortete, ebenfalls in der Sprache der Elfen, dafür etwas gebrochen,
„Wat denksten? Die bekomm' Eisenspäne un Moos zum Fressen. Dat eine macht se fest un dat andere kuschlig.“ Die Zwerge lachten herzhaft. Beren grinste nur, nickte dann und ging in den Laden.
„16 Kisten, hmmm... ich geb euch 80 Silberstücke dafür.“ Beren lächelte. Das Lachen der Zwerge erstarb wie auf Kommando.
„Hör ma, dat Zeuch is mindestens 150 Silberstücke wert. Feinste Ware,“ antwortete der Zwerg, der vorher schon gesprochen hatte, und griff in eine Kiste, aus der er als Beweis einen Stoffballen herausholte. Beren nickte, denn mit solch einer Reaktion hatte er gerechnet. Im Kopf überschlug er schnell, wie viel sich wohl mit dieser Lieferung verdienen lassen könnte. Dann überlegte er, wie hoch er mit dem Preis gehen konnte, ohne Verluste zu machen. Alles in allem durfte es ihn, bzw. Aêron, denn für ihn handelte er hier, nicht mehr als 120 Silberstücke kosten. Aber damit würde er keinen Gewinn machen. Er war Geschäftsmann und das bedeutete für ihn, dass er mit allen Mitteln versuchen würde, möglichst wenig zu zahlen. Mit einem ernsten Gesicht schaute er zu den Zwergen, seufzte etwas und musterte erneut die Ware.
"Werter Herr Zwerg, für welchen Preis soll ich die Ware denn verkaufen? Wenn ich Euch 150 Silberstücke gebe, dann kann ich mein Geschäft schließen. Dann seid Ihr mich als guten Kunden los. Wollt Ihr das? Ich gebe Euch nicht 80, sondern 100 Silberstücke. Aber mehr kann ich Euch nicht bieten."
Weiterhin ernst beobachtete Beren die Reaktionen und die Mimik seines Gegenübers.
"Dat solch dir glauben? Die Ware könnt nen Gnomenkind annen Mann bringen und würde dabei nen gutes Geschäft machn. Verkauft sich doch von selbst, dat Zeuch. Im Ernst, dat kannste uns doch net antun. Machen nen so weiten Wech un dann willste uns unter Wert abspeisn. 100 Silberstücke san einfach ze wenich." Diesmal war es der Zwerg, der sein Gegenüber genau beobachtete. Die tief in den Höhlen sitzenden Augen verrieten aber nichts. Völlig ruhig stand der Elf da.

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Letzte Aktualisierung: 2009.12.30, 02:09
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